Warhammer Online = World of Warcraft

Die Gleichung stellte letzte Woche Richard Bartle in einem Interview bei Massively.com auf, indem er sagte:

„I’ve already played Warhammer. It was called World of Warcraft.“

Und wie bei einem Stich ins Wespennest versammelten sich alle selbsternannten MMORPG-Koryphäen, um dem armen Richard jegliche Kompetenz abzusprechen.

Einem Mann, der das Genre quasi Erfunden hatte.

Ich denke er hat recht in einem gewissen Sinne!

WO basiert auf genau den selben Werten wie WoW: Level, Items, Grind. Das Grundkonzept ist das gleiche, nur die Ausführung, das Setting, der Schwerpunkt ist ein anderer.

Ich würde mir wünschen, dass ein Publisher mal den Mut fasst etwas neues zu probieren. Dies wird mit Sicherheit kein Blockbuster MMO, welches Millionen verschlingt, da man hier lieber die sichere Schiene (WoW) fährt, so wie es WO macht. Aber es könnte ein neuer Anfang sein, für etwas wirklich Neues.

Ich glaube genau das wollte Richard Bartle provozieren, einen Denkanstoss geben um dieses Genre voranzutreiben.

Wie wäre es mit einem Spiel ohne Level und ohne XP, in dem man aber trotzdem Erfahrung sammeln und anwenden kann. Ein wenig mehr Real Life und ein bisschen weniger „Number crunching“. Eine Welt die sich nachhaltig verändert und bei der nicht alle 5 Min auf den Reset-Knopf gedrückt wird.

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Wo der Bartle den Most holt

Irgendwann im letzten Jahr:

Premierminister: „Gestern hat schon wieder so ein Wahnsinniger mit ner halbautomatischen Waffe ein Blutbad in den USA angerichtet. Die Leute wollen Wissen, was wir dafür tun damit sowas sich hier nicht wiederholt.“

Berater: „Erstmal brauchen wir einen Schuldigen. Am einfachsten wäre es, wir schieben es auf die Computerspiele, schließlich würde es uns Millionen Kosten und richtige wissenschaftliche Arbeit um den wahren Grund zu erfahren.“

Premierminister: „Hervorragend! Ja, eine günstige Lösung ist immer gut, aber wir brauchen auf Dauer bessere Argumente gegen dieses Teufelszeug.“

Berater: „Da haben Sie recht, am besten wir geben einen Bericht in Auftrag, dessen Inhalt uns in die Hände spielt aber den Anschein hat, er wäre von unabhängiger Hand erstellt. Und ich weiss auch schon wen wir damit beauftragen werden.“

Premierminister: „So, und wer wäre das?“

Berater: „Eine …………….. Frau!“

Premierminister: „Oh, was für eine geniale Idee, eine Frau, Frauen hassen Computerspiele!“

Berater: „Ja, es kommt noch besser, sie ist Psychologin und arbeitet fürs Fernsehen.“

Premierminister: „So, sie arbeitet fürs Fernsehen, dann werden wir den Bericht noch um das Internet erweitern, da sollte klar sein wer den kürzeren zieht.“

Berater: „Genau, schliesslich können wir es nicht erlauben, das unser allseits beliebtes Propaganda- und Verdummungsinstrument einer demokratischen Idee anheim fällt.“

Premierminister: „Machen wirs so.“

Ein halbes Jahr zieht ins Land und der Bericht landet auf dem Schreibtisch des Premiers. Nach dem Studium selbigen zitiert er seinen Berater zu sich.

Premierminister: „Haben Sie den Bericht gelesen?“

Berater: „Äh, ja…“

Premierminister: „Haben Sie Ihren Schreibtisch schon aufgeräumt?“

Berater: „Nun ja, niemand konnte..“

Premierminister: „Papperlapapp! Alles muss man hier selber machen, wäre doch gelacht wenn wir dem ganzen nicht Einhalt gebieten können…“

Was der Premier und seine Berater leider nicht berücksichtigt haben, war das Alter von Fr. Dr. Tanya Byron. Wahrscheinlich wären sie besser gefahren, wenn die gute Frau jenseits der 60 gewesen wäre. So war Sie allerdings erst 15, als der ZX Spectrum 1982 rauskam und natürlich spielte Sie hin und wieder, wie die meisten Ihrer Altersgenossen und erkannte sehr schnell, dass Videospiele und das Internet in naher Zukunft dem Mainstream angehören werden.

So verfasste Sie einen durchaus fairen und ausgewogenen Bericht, den Richard Bartle mit den Worten kommentierte: „We’ve won: get over it“.

Jener Dr. Richard Bartle, der das erste MUD (namentlich „MUD“) miterfunden hatte und mit seinem „Bartle Test“ noch heute eine durchaus qualifizierte Aussage über den Spielstil des jeweiligen Probanden treffen kann.

Videospiele und auch das Internet sind genauso ein Generationenproblem wie damals der Rock’n Roll oder noch früher die Novelle. Die Devise lautet Aufklärung und Medienkompetenz nicht nur für die Kinder, sondern insbesondere für die Erwachsenen und da kann bestimmt kein Privatfernsehen bei helfen.

Die Zeit arbeitet für uns, spätestens wenn der erste Bundeskanzler mit Videospielen gross geworden ist, werden diejenigen die das ganze als Teufelswerk bezeichnen nur noch belächelt werden. Genauso wie sich heute auch keiner mehr vor dem Rock’n Roll fürchtet 😉