Wenn Telekom Manager in die freie Wirtschaft gehen

Nimm mal an, du hättest ein paar Euros zusammengespart und würdest damit gerne ein Startup finanzieren. Würdest du dich für Dr. Kathrin Brunners Idee entscheiden? Als Ex-T-Online Managerin wird sie schon wissen, wie man ein profitables Geschäft aufzieht!

„Also Fr. Dr. Brunner, wie sieht denn Ihre Idee aus?“

„Ja, das allerbeste daran ist der Ownload, das ist doch ein tolles Kunstwort, ein Anglizismus par excellence.“

„Ok, ganz nett, aber was steckt denn dahinter?“

„Der Download-to-own.“

„Gut, das hab ich jetzt verstanden, aber womit wollen Sie denn Geld verdienen?“

„Damit, das alle die Internet haben bei uns ihre Videos ownloaden und ownen können.“

„Der nächste bitte…“

Wie sagt man so schön: „Jeden Tag steht ein Dummer auf.“

Und so wird es wohl auch hier gewesen sein, irgendjemand muss der Fr. Dr. die Idee abgekauft haben. Und das Internet gebar in einer dunklen stürmischen Winternacht

in2Movies

Und was hätte es anderes als eine Totgeburt sein können wenn man folgende Punkte in Betracht zieht:

  • Wegen unserer geringen Bandbreite verteilen wir die Filme über ein Peer-to-Peer Netzwerk an dem alle Kunden teilnehmen müssen.
  • Damit die Kunden nicht Tage auf den Ownload warten müssen reduzieren wir die Qualität indem wir nur halb soviel Zeilen wie bei einer normalen DVD je Bild komprimieren.
  • Weil wir nicht noch zusätzliches Geld für Fremdsprachenlizenzen ausgeben wollen, gibts die Filme nur auf deutsch.
  • Natürlich gibts auch kein Bonusmaterial, das schaut sich eh keiner an und kostet auch nur zusätzliche Lizenzen.
  • Die Filme lassen sich vielleicht irgendwann mal auf DVD brennen, allerdings könnte es sein, das man sie dann noch einmal kaufen muss.
  • Der Preis sollte knapp (ca. 50 Cent) unter dem DVD Preis (im Mediamarkt) liegen, schliesslich wollen wir ja auch Geld verdienen.
  • Machen wir mal Pleite und müssen unsere DRM Server abschalten dürfen unsere Kunden halt nie wieder ein neues Betriebssystem aufspielen oder sich gar nen neuen PC kaufen.

Da gibt es noch 2 Punkte die wirklich den letzten positiven Gedanken an einen Erfolg im Keim erstickt hätten:

  • Die gute Frau hat bei Golem ein Interview gegeben, in dem Sie die Zukunft Ihrer Geschäftsidee vollkommen im Unklaren sieht.
  • Sie hat bei den Medientagen in München 2007, einer Schwesterveranstaltung der Munich Gaming, einen Vortrag gehalten 😉

Und so kam es, wie es kommen musste. Am 11. Juni werden sich die Tore dieses Portals schliessen. Die Begründung in dem Artikel ist wirklich nur die Spitze des Eisbergs und man sollte hier nun schlussendlich den Mantel des Schweigens über dieses Desaster ausbreiten.

Advertisements

Munich Gaming, der (Zu)stand der deutschen Spieleindustrie

Was für ein Fest!

Da trafen sich die Altvorderen aus Politik und Wirtschaft und feierten das Fest der neuen Medien. Das ausgerechnet Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring diese Veranstaltung eröffnete war allerdings bezeichnend.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring

seines Zeichens Fürst Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und somit Erfüllungsgehilfe Beaufsichtiger des deutschen Privatfernsehens. Dabei äußerst beliebt bei seinen Mitarbeitern wegen seiner Führungsqualitäten.

Den Staffelstab übergab er

Dr. Günther Beckstein

seines Zeichens Bayerischer Ministerpräsident der mit seiner Aussage

Killer-Spiele‘ sollten in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt.

seine UnBeliebtheit in der Spielerszene weit über die Grenzen von Bayern hinaus gefestigt hat.

Da redeten sie nun, die Herren Doktoren, nachdem sie sich von ihren Sekretärinnen des Morgens nochmal das Internet haben ausdrucken lassen, über Dinge, die nur ihrem Wunschdenken entsprungen sein konnten.

Beckstein: „München punktet mit seiner hohen Lebensqualität. Das bestätigen Studien immer wieder. Gerade für Spieleentwickler ist dies eminent wichtig. Kreative müssen sich „mitten im Leben“ bewegen, Strömungen in der Gesellschaft aufnehmen und diese umsetzen. Es ist nicht nur die IT- und Wissensinfrastruktur, die Bayern und München als idealen Gaming-Standort ausweist!“

Das war bestimmt auch der Grund, weshalb eines der erfolgreichsten deutschen Entwicklerstudios Crytek (FarCry, Crysis) 2006 von Coburg (Bayern) nach Frankfurt (Hessen) umgezogen ist. Auch andere große Entwicklerstudios wie Ascaron (Sacred), mit Sitz in Gütersloh, haben diesen idealen Gaming-Standort wohl noch nicht wahrgenommen.

Auch verwundern Aussagen von Sony Vertretern, welche HD Inhalte (Download Content) erst in den nächsten 2-3 Jahren sehen. Sehr seltsam, Microsoft hat sowas schon im Programm.

Diese Veranstaltung bestätigte mal wieder voll und ganz das Bild, welches man von der deutschen Spieleindustrie in den letzten Jahrzehnten gewonnen hat. Am besten fährt man, wenn man sich auf niemanden verlässt, und schon gar nicht auf deutsche Funktionäre, deren Auftreten einen eher dazu motiviert in einer Folge „Die Auswanderer“ die Hauptrolle zu übernehmen.

Da würde sich wenigstens der Prof. Dr. Ring drüber freuen 😉