Die Pathologie der modernen Berichterstattung

Ich gestehe, auch ich lese Freitags gerne Heise-News und deren Kommentare 🙂

Dabei ist mir der Artikel über exzessives Computerspielen ins Auge gefallen. Insbesondere weil ich kurz zuvor einen Artikel auf Golem gelesen hatte, der die selbe „Studie“ zum Inhalt machte.

Liebe Heise-Redakteurin, auch wenn es sich hierbei um eine Online Befragung von 688 Kindern und Jugendlichen handelt, und man dies nicht wirklich als repräsentativ bezeichnen kann, beglückwünsche ich Sie dazu, dem Begriff Nachricht entsprochen zu haben und nicht wertend oder schlussfolgernd eingegriffen zu haben.

Jedoch, wer hat bitteschön die Überschrift

„Exzessives Computerspielen macht Kinder und Jugendliche unzufrieden“

entworfen? Das waren Sie doch wohl nicht? Schon im ersten Absatz wird nämlich das genaue Gegenteil behauptet, die Kausalität quasi verkehrt.

„Wenn Kinder und Jugendliche zu viel spielen, haben sie zu viel Stress, sind überfordert und unzufrieden.“

Für mich stellt sich hier abschliessend die Frage, wer hier der deutschen Sprache nicht mächtig ist?

Lieber Golem-Redakteur, wichtige Details einer Nachricht zurückzuhalten ist .. wie soll ich sagen .. problematisch. Liest man Ihren Artikel könnte man davon ausgehen, dass 11,3% aller Kinder pathologische Computerspieler sind. Zu unterschlagen, dass es sich hierbei um eine alles andere als repräsentative Stichprobe handelt, die per Internet durchgeführt und in Computerspiel-Foren mit einem Gewinnspiel beworben wurde ist .. wie gesagt .. problematisch.

Abschliessend kann ich nur jedem raten, wenn er wirklich Informationen sucht, er sich nicht auf dritte verlassen sollte. News-Portale im allgemeinen sollte man nicht als seriöse Berichterstattung sehen, sonder eher als Unterhaltung, so wie die RTL2-Nachrichten 😉 Wollt ihr wirklich harte Facts, dann macht euch selbst ein Bild, lest die Quellen und hinterfragt die Absichten, die solch eine Studie haben könnte.

Denn traue nur der Statistik, die du selbst manipuliert hast 😉

PS: Da ich die nächsten 2 Wochen am Strand verbringen werde und dort wahrscheinlich kein offenes WLAN vorfinden werde, bin ich erst mitte August, mit den neuesten Ankündigungen von Funcom, wieder da.

3. Nachtrag zur Märchenstunde

Hm, hieraus könnte ich wirklich ne Serie machen.

Der liebe Erling hat sich wieder zu Wort gemeldet und neue tolle Versprechungen zu AoC geliefert.

Eines Tages wird es ein Kingship Feature geben wo wirklich 100te von Spielern gegeneinander antreten werden, das UI wird überarbeitet und die Grafikengine modernisiert.

Es ist wirklich lachhaft, zu diesem Zeitpunkt schon wieder neue Versprechungen zu machen, ohne die alten erfüllt zu haben. Aber das scheint bei Funcom nun die Regel zu sein.

Die Xbox 360 Version soll laut Ellingsen übrigens Ende 2009 erscheinen. Und was sagt uns das? Es wurde noch keine Zeile Code für die Xbox-Version geschrieben. Ohne hier den großen Nostradamus zu geben sag ich mal, es wird niemals eine Xbox Version geben.

Eidos, der Publisher von AoC, hat es übrigens tunlichst vermieden, AoC auf der E3 zu präsentieren und ist ansonsten auch sehr zurückhaltend mit dem Produkt umgegangen. Dagegen zeigt SOE z.B. einen Vanguard Live Raid, wer hätte das vor einem Jahr gedacht 🙂

Ich bin ja mal gespannt, was Funcom uns in näherer Zukunft noch so alles auftischen wird, insofern

stay tuned…

2. Nachtrag zur Märchenstunde

Auch Erling Ellingsen hat sich nicht lumpen lassen und ein Statement zum Launch von AoC abgegeben:

„It was a fantastic launch. Technically it was perfect, servers stayed up whole time, billing, logging was great. There were of course a few bugs when we launched, but I think that’s true with all MMOs. The game was perfectly playable, polished.“

Erinnert mich irgendwie an:

„I triple guarantee you, there are no American soldiers in Baghdad.“

😉

Deutsche Telekom vs. sipgate

Der gelbe rosa Riese lässt mal wieder seine Muskeln spielen und würde gerne dem VoIP Provider Indigo Networks verbieten, dass iPhone Besitzer ihren sipgate Dienst nutzen.

Und natürlich nennen Sie das Problem nicht beim Namen, sondern führen so schwachsinnige Gründe wie „Viele Kunden könnten mit dem Begriff ‚Beta‘ nichts anfangen“ an.

Nein liebe Telekom, dass ist nicht euer Problem, euer Problem ist, dass euch dadurch Verbindungsentgelte entgehen, und bitte, bitte:

Wer mit Worten wie „T-Home“, „web’n’walk“, „CountryFlat“, „Call & Surf Comfort“, … um sich wirft, sollte sich bei einem Wettbewerber nicht darüber beschweren, wenn er von einer „Beta“ spricht. Insbesondere wenn der Beklagte auf der selben Seite eine ausführliche Erklärung dieses Begriffes bietet.

Hohn und Spott über dich Deutsche Telekom!

Nachtrag zur Märchenstunde

Ja, da lässt sich der Gaute nicht lumpen und verbreitet ein neues Pamphlet in dem er wiederum sein Spiel in höchsten Tönen lobt. Kein Wort über nicht eingehaltene Versprechen, allein Durchhalteparolen predigend stellt er sich der Allgemeinheit und erntet seltsamerweise nicht nur Zustimmung 😉

Onkel Gaute’s Märchenstunde

Es war einmal..

eine Zeit, da war ich Game Director und ich war sehr stolz darauf und erzählte es jedem der es hören wollte. Mein Spiel war so toll, das ich es nur ein paar wenige male verschieben musste und auch nur deswegen, weil wir ein bisschen Politur auftragen wollten, schliesslich war das Spiel zu 99% fertig.

Und dann kam der Releasetag, ja ok, unser DirectX 10 Client war ein Hoax, genau wie unser Massive PvP, aber die Starterinsel war wirklich genial wenn man über die paar Bugs hinwegsieht.

Doch die Spieler wollten auf einmal einen Sinn im PvP sehen und in den höheren Leveln auch noch vernünftige Quests, da musste mir etwas einfallen.

Also verfasste ich einen Brief.

Ich versprach neuen Content zum Questen und Änderungen am PvP, so dass dieser auch Sinn ergab und all das sollte spätestens nach dem Ablauf des Freimonats Live gehen.

Nun ja, der Termin ist zwar seit einer Woche verstrichen und seitdem hab ich mich auch nicht mehr gemeldet, aber schliesslich bin ich ja noch auf Platz 1 der Verkaufscharts, da kann man über das bisschen Unmut schon hinwegsehen.

Und damit ihr in Zukunft auch wisst, wie man ein erfolgreicher Game Director wird, solltet ihr euch zwei Sätze merken:

1. „Versprechen muss man nich halten, solange die Zahlen stimmen.“

2. „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“

Also, schlaft schön und träumt nicht von anderen Spielen, da ist auch alles mehr Schein als Sein.

Wie sagte schon Nik Kershaw: „The grass is always greener over there“

Danielle Bunten Berry

Heute ist der 10. Todestag von Danielle Bunten Berry, geboren als Daniel Paul Bunten.

Als Programmiererin war sie eine der Pioniere im Multiplayer Bereich und ist nicht Umsonst 2007 in die AIAS Hall of Fame aufgenommen worden. Dort steht ihr Name direkt neben dem von Sid Meier oder Richard Garriott. Als Frau ist sie die erste und bisher einzige, welcher diese Ehre zuteil wurde, obwohl das nicht allen zugesagt hat.

Das wohl größte und meiner Meinung nach beste Multiplayer Spiel aller Zeiten entsprang ihrem Gedankengut.


Ich erinnere mich noch gut, wie ich Monate damit verbracht habe, bei M.U.L.E. einen neuen Highscore zu erreichen, welche ich in einem selbstgeschriebenen Programm verwaltete, um dann meinem Bruder, mit meinen neu erdachten Strategien, nicht den Hauch einer Chance zu lassen. Leider gelang das nicht immer, aber das machte halt den Reiz aus, das bisschen Zufall, der Flügelschlag eines Schmetterlings, oder eher die Millisekunde die mir fehlte mit meinem M.U.L.E. ins Casino zu gehn.

Dani Bunten war mit Sicherheit eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Spielebranche. Insbesondere Ihre Geschlechtsangleichung, die aus „Daniel Paul Bunten“ „Danielle Bunten Berry“ machte, war eine für ihre Zukunft wohl problematischste Entscheidung die sie je getroffen hatte. Dies beschreibt sie in einem Essay welches ihren Zwiespalt sehr gut wiedergibt.

Ich hoffe einige von euch werden M.U.L.E. oder einem seiner Clones mal nen Nachmittag schenken und am eigenen Leib erfahren, wie in den 80er noch innovative Software entwickelt wurde.

Ich bedanke mich für die schönen Stunden die ich mit ihren Werken verbracht habe 🙂