Games 2.0, oder was?

Ich frage mich, warum heutzutage alles 2.0 sein muss? Oder eher gesagt, warum muss es so heißen? Muss man denn für alles immer wieder neue Begriffe erfinden?

Schliesslich ist das hier keine Revolution des Gamedesigns.

Ja, Trackmania ist ein Erfolg wegen seines Leveleditors und ja, Metaplace wird auch ein Erfolg wegen seiner Vielfältigkeit.

Aber wo bitte schön ist der Unterschied zu einer Doom-Map die ich erstellt habe? Wo ist der Unterschied zu dem Leveleditor den ich Anfang der 90er in meinen Breakout Clone programmiert habe? Ok, wir hatten kein Internet, oder besser gesagt, wir hatten kein WWW aber per Mailbox verteilten sich diese Dinge fast so schnell wie heutzutage.

Man schaue sich nur Facebook an, so viel Müll und generischer Käse auf einen Haufen, die 1000ste Portierung irgend einer Browsergames, welches sich nur durch seinen Namen von den anderen unterscheidet, genau das wird uns bei Metaplace erwarten.

Das erschreckende ist, je weniger Freiheit ich dem User gebe seinen „User generated Content“ zu estellen, desdo besser wird er. Jedoch bleibt dann nur ein Leveleditor über, den wir auch schon vor 20 Jahren hatten 😉

Ertappt

Seltsam, seltsam…

Folgendes fiktives Szenario:

Ein paar männliche Arbeitskollegen haben sich nach Feierabend noch zu einem Bierchen verarbredet. Da man erst kürzlich in der Firma angefangen hat, werden schnell ein paar Fragen abgearbeitet: Wo warst du vorher beschäftigt? Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Was machst du so in deiner Freizeit?

O_o

Einer würde vielleicht sagen: Am Wochenende gehe ich gerne Golf spielen und unter der Woche auch manchmal auf die Driving Range.

Ein zweiter würde sagen: Ich treffe mich meistens mit meinen Freunden in der Kneipe um ein paar Runden Skat zu spielen.

Ein dritter meint: Ich schau mir gerne Videos an und Koche gerne.

All diese Antworten sind gesellschaftlich aktzeptiert. Was würden jedoch die Anwesenden denken, wenn man antworten würde:

Ich spiele Computerspiele mit anderen zusammen und am Wochenende machen wir auch schon mal einen Raid.

Man selbst würde sich wahrscheinlich ertappt fühlen, etwas zu tuen, was gesellschaftlich eher nicht so angesehen ist. Etwas, was nicht der Norm entspricht und was bei weitem nicht alle nachvollziehen können.

Ja, Golf spielen das kenn ich und Skat, auch ganz nett aber nicht mein Fall, und ein Video schau ich mir auch ganz gerne mal an, aber Computerspiele? Und was ist ein Raid? Das sind doch Typen, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm hängen und Chips in sich reinstopfen. Was für ne arme Wurst, der hat bestimmt keine richtigen Freunde und die Frau geht ihm bestimmt auch bald laufen.
Ich denke man sollte darauf hinarbeiten, das man eben dieses Gefühl von „ertappt sein“ nicht bekommt, wenn man bestimmte Fragen hört. Etwas mehr offensive als deffensive, ein bisschen mehr Aufklärungsarbeit als Verschleierung. Und wer weiss, einer könnte auch antworten:

Ach, was spielst du denn, WoW oder EQ2 oder was anderes .. und bist du in einer Gilde? Ich spiele ja AO, aber das kennt ja leider kaum einer. Erzähl doch mal..

Deszendicalls, wenn Babys um Hilfe twittern

Letztens bin ich über eine Hardwarebastelei gestolpert, die meinem Erachten nach ihr Einsatzspektrum um ein Vielfaches erweitern kann, wenn man die Missstände der heutigen Gesellschaft betrachtet.

Botanicalls

Diese lustige Bastelei verkabelt eine Pflanze mit ein paar Sensoren, einem Mikroprozessor und einem Sender, welcher bei bestimmten Zuständen einem Computer mitteilt, dass er via Telefon, Twitter oder was auch immer sich beim Pfleger melden soll.

Das Telefon klingelt: „Wasser … Wasser … ich verdurste …“

Pfleger: „Reg dich ab, in 5 Tagen bin ich aus meinem Mallorca Urlaub wieder zurück.“

2 Tage später klingelt es wieder: „Ich fühle mich so ausgelaugt. Seit dem du weg bist, ist die Sonne nicht mehr aufgegangen.“

Pfleger: „Kein Wunder, ich hab vergessen die elektrischen Rollläden zu programmieren.“

Wiederum 2 Tage später: „Ok, lassen wir es. Zeitpunkt des Todes 06:51 Uhr. Ich werde die Angehörigen benachrichtigen.“

Pfleger: „Ach verdammt!“

Feinfühlige Menschen mögen an dieser Stelle den Blogeintrag bitte nicht Weiterlesen, für die anderen gilt:

<Satire>
Denken wir jetzt einmal etwas weiter, wie wäre es wenn wir ein solches System für unsere Kleinsten hätten? Heutzutage kann man die Zeitung ja kaum aufschlagen ohne dass Tote Säuglinge herausfallen. Da wäre eine Anpassung von Botanicalls genau das richtige.

Deszendicalls

Ihr Säugling hat die Hose voll, er dehydriert, sein Gewicht sinkt unter die vom Familienminister vorgegebene Warnschwelle oder er verträgt die Temperaturen in der Tiefkühltruhe nicht?

Kein Problem Deszendicalls hilft.

Es schickt den Erzeugern oder dem vom Gericht eingesetzten Vormund per Jamba Sparpaket eine MMS mit dem neusten Schnuffelsound und der Bitte, sich verdammt noch mal um seine Kinder zu kümmern.

Optional kann auch ein World of Warcraft Add-On installiert werden, welches Ingame eine Nachricht im Shout-Channel verbreitet oder wahlweise einen kleinen Begleiter heraufbeschwört, der das Befinden des Kindes simuliert.
</Satire>

Es war einmal…

…ein Computerspieler, der etwas gelangweilt durch den Saturn schlenderte und auf einem Grabbeltisch eine grosse Pappschachtel mit der Aufschrift „Anarchy Online“ entdeckte. „Hm“, dachte er sich „die Screenshots sehen gut aus, endlich mal kein Fantasy und ich hab ja DSL jetzt, für 5€ kann man das ja mal mitnehmen auch wenns nach 3 Wochen wieder im Schrank verschwindet.“

Anarchy Online

Aus 3 Wochen wurden, mit Unterbrechung, 3 Jahre.

3 Jahre, die mein Verständnis von Computerunterhaltung vollkommen auf den Kopf stellten. War ich zuvor ein Liebhaber von Single Player spielen à la „Doom“ oder „Half-Life“ konnten nur wenige Multiplayer Spiele mein Herz erwärmen. Hier wäre ausdrücklich „M.U.L.E“ von der leider viel zu früh verstorbenen Dani Bunten, welcher ich zu gegebener Zeit einen eigenen Artikel widmen werde, zu nennen.

M.U.L.E

Diese Multiplayer Spiele begrenzten jedoch den Multiplayer Anteil auf die 2-4 Personen die direkt vor dem Fernseher saßen. Insofern war es dann doch ein sehr persönliches Erlebnis.

Nach diesen 3 Jahren AO jedoch können mich bis heute selbst Perlen wie „Bioshock“ oder „Crysis“ nur wenige Stunden fesseln und in mir immer das Gefühl erwecken „da fehlt doch was“.

Die Erinnerungen an Damals geben mir immer ein wohliges Gefühl und ab und zu logge ich nochmal mit einem Froob-Account bei AO ein um ein wenig im Backyard von Old Athen umher zu spazieren.

Ja der Backyard, dort begann alles, dort machte ich meine ersten paar Level in einem Spiel, das ich anfänglich für recht simpel hielt, was mir allerdings spätestens beim ersten Zusammenstellen eines vernünftigen Implantatsets eines besseren Belehrte.

Nachdem ich den Backyard verlassen hatte, musste ich feststellen, dass die Welt die meinen kleinen Character umgab, riesig und voller Leute war, die anscheinend die selbe Erfahrung machten.

Subway

Das erste mal in die Subway abgetaucht stellte ich fest, das man in der Gruppe viel einfacher und vor allen Dingen lustiger vorankommen konnte. Wenn man mal wieder warten musste, weil jemand gestorben war, wurden lustige Anekdoten erzählt oder über das Tagesgeschehen philosophiert. Etwas, was ich in heutigen MMORPG’s bei Pick up groups sehr vermisse, da scheint es immer nur um XP/h zu gehen 😦

Wie anders kann man es sich erklären, das man von lvl 60-200 immer nur Missionen gemacht hat und es einem dabei selten langweilig wurde. Da gabs keine Quests oder Instanzen mit Story, es wurde munter tagein tagaus am Terminal eine BS-Missi gezogen und mit viel Freude und 5 anderen Willigen angegangen, natürlich durchs Grid.

Grid

Und am Ende wartete der große Raid – man versammelte sich mit 50-100 Leuten bei den Familien Lee und Johnson und ihrem Freund Ian um deren Besitztümer zu ergattern, was manchmal darin endete, das Ian wie ein wahnsinniger durch die Meute hetzte und jedem einzelnen der Anwesenden das Herz aus der Brust gerissen hat.

Ja, es stand die Freude am Spiel im Vordergrund und nicht das erreichen des Max-Levels. Bis 200 hab ich ca. 2 Jahre gebraucht und ich kann nicht behaupten, dass es langweilig gewesen wäre.

Es gäbe noch so viel zu Berichten von Tarasque, den Tower-Feldern, dem Beast oder der Augmented Hellfury Assault Cannon, aber da würd ich dann eher ein Buch schreiben als einen Blog-Eintrag 😉